"Arbeitsfähigkeit" beschreibt, inwieweit Arbeitsnehmer/-innen in der Lage sind, ihre Arbeit angesichts der Arbeitsanforderungen, Gesundheit und mentalen Ressourcen zu erledigen. Zwei Komponenten bestimmen die Arbeitsfähigkeit:
die individuellen Ressourcen der Arbeitnehmer/-innen (körperliche, mentale, soziale Fähigkeiten, Gesundheit, Kompetenz, Werte) sowie
die Arbeit (Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, soziales Arbeitsumfeld, Führung).
Ein WAI-Wert steht immer für das Ausmaß der Übereinstimmung dieser beiden Komponenten.
Warum ist Arbeitsfähigkeit wichtig?
Arbeitsfähigkeit ist von großer Relevanz für
Erwerbstätige: Eine gute Arbeitsfähigkeit ist eine wesentliche Grundlage für das Wohlbefinden des Einzelnen
Betriebe: Die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten entscheidet mit über Leistung, Produktivität und Innovationsfähigkeit von Unternehmen.
Gesellschaft: Die Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen eines Landes oder einer Region hat wesentliche Auswirkungen auf die Balance der sozialen Sicherungssysteme.
Sie ist die Voraussetzung für die Beschäftigungsfähigkeit der Bevölkerung.
Das Haus der Arbeitsfähigkeit
Das „Haus der Arbeitsfähigkeit“ spiegelt genau diejenigen Aspekte unter einem Dach, die entscheidend für den Erhalt und Ausbau der Arbeitsfähigkeit sind. Entscheidend ist, dass die vier Stockwerke in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Gleichzeitig veranschaulicht es die gegenseitige Abhängigkeit individueller, betrieblicher und gesellschaftlicher Aspekte.
Abb. 1: Das „Haus der Arbeitsfähigkeit" (modifiziert nach Ilmarinen & Tempel, 2002).
Arbeitsfähigkeit und Alter
Finnische Längsschnittstudien haben gezeigt,
dass Arbeitsfähigkeit eine Ressource ist, die auch in höherem Alter noch steigerbar ist (Pedersen et al., 2002; Tuomi, 1997; Ilmarinen & Louhevaara, 1999), auch in körperlich belastenden Berufen (Tuomi et al., 1999),
Dass sich Personen gleichen kalendarischen Alters sehr stark hinsichtlich ihrer Arbeitsfähigkeit unterscheiden können.
Abb.2: WAI-Werte bei Beschäftigten in einem mittelgroßen Unternehmen in Deutschland nach Alter, 2003.
Daraus folgt, dass (betriebliche) Präventionsarbeit nicht mittels Gießkannenprinzip auf alle älteren Beschäftigten erfolgen kann. Präventionsarbeit muss immer auch eine individuenzentrierte Komponente haben.